Ein Hoch auf die Monogamie?

Heute habe ich mit einem meiner besten Freunde über die unterschiedlichen Beziehungen gesprochen, die wir beide führen. Er erzählte mir, er habe mit seiner Freundin einen „Packt“ geschlossen, der den sexuellen Kontakt mit anderen erlaubt, wenn dem Beziehungspartner auf freiwilliger Basis von besagtem sexuellen Kontakt berichtet wird.

Mann, das war jetzt diplomatisch formuliert. Nochmal auf Deutsch: Sex mit anderen geht klar, wenn der Partner darüber bescheid weiß.

Darauf konnte ich nur verdutzt drein schauen, ich selbst blicke auf eine über zwei jährige Beziehung zurück – komplett Monogam.

Ob ich tatsächlich „so’n Monogamietyp“ wäre, fragte er mich.

Ich lachte, und fragte ob ihm das wirklich nichts ausmache, wenn seine Freundin mit anderen Typen rumvögelt. Er bestätigte, es handle sich ja nur um körperliches, und es sei okay, solange es sich eben nur um körperliches handle.

Wo man die Grenze ziehe, fragte ich, woher man wisse, wann sexuelle Anziehung rein körperlicher Natur ist und ab welchem Zeitpunkt man beginnt, den Sexualpartner auch auf andere Weise zu mögen.

Da müsse man sich vertrauen, sagte er, und das sei ja der Punkt – man könne ja nicht eine andere Person einfach für sich alleine beanspruchen.


Ich kann mir keinen rein körperlichen Sex vorstellen; persönliche Chemie muss da schon „mit rein“ – tolle Formulierung – und das wäre ja dann schon mehr als nur Sex. Das ist mein Argument gegen Polygamie, aber jeder hat da natürlich seine eigenen Ansichten.
Ein Einwand: Natürlich – auch wenn meine Freundin das verneinen würde – hat jeder Phantasien sexueller Natur. Aber wenn ich auch nur für den Bruchteil einer Sekunde daran denke, solche wirklich in die Tat umzusetzen, kommt mir sofort der Ekel. Ich will niemand anderen, ich bin schon so an sie gewöhnt, dass alles andere auf den zweiten Blick zweitklassig erscheint. Sie ist die Perfektion – altmodisch, aber für mich zumindest wahr. Schon an diesem Punkt bricht mein Verlangen, auch wenn es ja eigentlich nie wirklich aufgetreten ist, nach Sex mit anderen ab. Würde ich aber hypothetisch weiter denken, dann käme mir der Gedanke, meine Freundin würde dasselbe tun, hätte auch Sex mit anderen. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass sie von irgendjemand anderem angefasst wird – mir läuft es gerade eiskalt den Rücken hinunter – Gedankengang abgebrochen. Außerdem käme in mir dann das Gefühl auf, ich sei ihr nicht gut genug, wäre körperlich nicht anziehend, oder schlichtweg schlecht in der Kiste.
Andere würden jetzt vielleicht sagen, Fremdgehen (was ja bei oben beschriebenem Packt keines wäre – mir fehlt ein geeignetes Wort) hätte ja nichts mit ungenügender Befriedigung zu tun, sondern einfach mit der Lust auf etwas Neues; die Grenzen sind aber so fließend, dass ich mir eine polygame Beziehungsform ohne selbst- oder gegenseitige Vorwürfe, Eifersucht und schließlich Leid, zu führen nicht vorstellen könnte.

4 Kommentare zu „Ein Hoch auf die Monogamie?

      1. Das stimmt. Und wichtig ist auch, mit dem potenziellen „Partner“ die Fronten zu klären… es ist immer doof, wenn man dort in Unklarheit lebt.

Kommentare sind geschlossen.

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